Mehr Regen, neue Anforderungen: Versickerung in einem veränderten Klima

Wie Städte und Grundstückseigentümer auf häufigere Starkregen reagieren müssen
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5 min
Der Klimawandel bringt mehr und intensivere Niederschläge – und stellt die herkömmliche Entwässerung vor große Herausforderungen. Warum die Versickerung von Regenwasser heute eine Schlüsselrolle spielt und wie sie zur klimaresilienten Stadtentwicklung beiträgt.
Pascal Weber
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Mehr Regen, neue Anforderungen: Versickerung in einem veränderten Klima

Wie Städte und Grundstückseigentümer auf häufigere Starkregen reagieren müssen
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Der Klimawandel bringt mehr und intensivere Niederschläge – und stellt die herkömmliche Entwässerung vor große Herausforderungen. Warum die Versickerung von Regenwasser heute eine Schlüsselrolle spielt und wie sie zur klimaresilienten Stadtentwicklung beiträgt.
Pascal Weber
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In den letzten Jahren hat Deutschland häufiger und intensiver Regen erlebt als früher. Der Klimawandel führt dazu, dass wir künftig mit noch mehr Niederschlag rechnen müssen – insbesondere in Form von Starkregenereignissen. Das stellt Städte, Gemeinden und Grundstückseigentümer vor neue Herausforderungen: Wo früher die Kanalisation das Regenwasser zuverlässig ableitete, stoßen die Systeme heute oft an ihre Grenzen. Lokale Lösungen zur Regenwasserbewirtschaftung werden immer wichtiger. Die Versickerung ist dabei eine der effektivsten und nachhaltigsten Methoden – vorausgesetzt, sie wird sorgfältig geplant und umgesetzt.

Warum Versickerung heute wichtiger ist denn je

Wenn Regenwasser auf dem Grundstück versickern kann, entlastet das die Kanalisation und verringert die Gefahr von Überflutungen. Gleichzeitig trägt die Versickerung dazu bei, das Grundwasser zu erneuern – eine wertvolle Ressource, die in vielen Regionen Deutschlands zunehmend unter Druck steht. In Zeiten häufiger Extremwetterlagen ist diese doppelte Wirkung besonders bedeutsam.

Auch wirtschaftlich kann sich die lokale Regenwasserbewirtschaftung lohnen. Viele Kommunen fördern oder verlangen inzwischen, dass Regenwasser auf dem eigenen Grundstück behandelt wird. Wer Regenwasser von der Kanalisation abkoppelt, kann häufig Gebühren sparen und das Risiko kostspieliger Wasserschäden reduzieren.

Den eigenen Boden kennen

Bevor man ein Versickerungssystem plant, sollte man die Bodenbeschaffenheit genau kennen. Denn nicht jeder Boden eignet sich gleich gut. Sandige Böden lassen Wasser schnell versickern, während lehmige oder tonige Böden spezielle Lösungen erfordern – etwa Kombinationen aus Rigolen, Mulden oder bepflanzten Versickerungsflächen.

Ein einfacher Versickerungstest (Perkolationstest) zeigt, wie gut der Boden Wasser aufnehmen kann. Viele Kommunen verlangen eine solche Prüfung, bevor sie eine Genehmigung für ein Versickerungssystem erteilen. Auch der Grundwasserstand spielt eine Rolle: Liegt er zu hoch, kann das Wasser nicht ausreichend versickern.

Lösungen für private Grundstücke

Je nach Platzangebot, Bodenart und gestalterischen Vorstellungen gibt es verschiedene Möglichkeiten, Regenwasser auf dem eigenen Grundstück zu bewirtschaften:

  • Rigolen – unterirdische Kies- oder Kunststoffspeicher, in denen Regenwasser gesammelt und langsam in den Boden abgegeben wird. Ideal für Dach- und Hofflächen.
  • Mulden und Regengärten – bepflanzte Vertiefungen, die Wasser aufnehmen, zwischenspeichern und verdunsten lassen. Sie fördern zudem die Artenvielfalt.
  • Versickerungsfähige Beläge – Pflastersteine oder Schotterflächen, durch die Wasser direkt in den Untergrund gelangen kann, statt oberflächlich abzufließen.
  • Gründächer – sie speichern Regenwasser, verzögern den Abfluss und verbessern gleichzeitig das Stadtklima.

Oft ist eine Kombination mehrerer Maßnahmen am wirkungsvollsten, um Regenwasser Schritt für Schritt – vom Dach bis in den Boden – zu führen.

Neue Anforderungen und kommunale Vorgaben

Viele Städte und Gemeinden in Deutschland haben ihre Entwässerungs- und Klimaanpassungspläne überarbeitet. Ziel ist es, die Kanalisation zu entlasten und Überflutungen vorzubeugen. In diesem Zusammenhang gewinnt das Prinzip der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung (DWA-M 153, DWA-A 138) an Bedeutung. In manchen Kommunen können Grundstückseigentümer eine Rückerstattung der Niederschlagswassergebühr erhalten, wenn sie Regenwasser auf dem eigenen Grundstück versickern lassen.

Vor der Umsetzung ist jedoch eine Genehmigung erforderlich. Die Kommune prüft, ob das geplante System den Boden und das Grundwasser schützt und keine negativen Auswirkungen auf Nachbargrundstücke hat. In Wasserschutzgebieten gelten zudem besondere Auflagen.

Pflege und Verantwortung

Ein Versickerungssystem ist weitgehend wartungsarm, sollte aber regelmäßig kontrolliert werden. Laub, Sand und Schmutz können Einläufe und Filter verstopfen. Daher empfiehlt es sich, Dachrinnen, Abläufe und Sedimentfang regelmäßig zu reinigen. Wenn sich Pfützen bilden oder das Wasser nicht mehr wie gewohnt abfließt, ist eine Wartung notwendig.

Grundstückseigentümer sind für den ordnungsgemäßen Betrieb ihrer Anlage verantwortlich. Eine gut gepflegte Anlage funktioniert über viele Jahre zuverlässig und trägt aktiv zum Hochwasserschutz bei.

Ein Beitrag zu klimaresilienten Städten

Wenn immer mehr Hausbesitzer Regenwasser lokal versickern lassen, profitieren ganze Stadtviertel: Die Kanalisation wird entlastet, Überschwemmungsrisiken sinken, und grüne Elemente wie Regengärten oder Gründächer verbessern das Mikroklima. Gleichzeitig entstehen neue Lebensräume für Pflanzen und Insekten.

Klimaanpassung bedeutet nicht nur große Infrastrukturprojekte, sondern auch viele kleine, dezentrale Maßnahmen. Die Versickerung ist eine davon – sie schützt Umwelt und Grundwasser, spart Kosten und macht unsere Städte widerstandsfähiger gegen die Herausforderungen eines sich wandelnden Klimas.

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